Über Hildegard von Bingen

Hildegard von Bingen Medizin – Heilkraft aus der Natur und Spiritualität

Marcel SchulzMarcel Schulz - 5 Sep, 2026

Hildegard von Bingen Medizin – Heilkraft aus der Natur und Spiritualität

Hildegard von Bingen Medizin – Ernährung, Kräuter und Lebensführung

Hildegard von Bingen gehört zu den faszinierendsten Persönlichkeiten des Mittelalters. Sie war Benediktinerin, Äbtissin, Mystikerin, Komponistin und beschäftigte sich intensiv mit der Natur und dem Menschen.

Bis heute interessieren sich viele Menschen für die sogenannte Hildegard von Bingen Medizin: für Dinkel, Kräuter und Gewürze, traditionelle Rezepturen, eine maßvolle Lebensführung und Hildegards besondere Sicht auf das Zusammenspiel von Körper, Geist und Seele.

Dabei lohnt es sich, Hildegard nicht auf einzelne „Heilmittel“ zu reduzieren. Ihre Gedanken entstanden innerhalb des Weltbildes des 12. Jahrhunderts und verbinden Naturkunde, Ernährung, Spiritualität und die damalige Vorstellung vom menschlichen Körper zu einem außergewöhnlichen Gesamtbild.

Was versteht man unter Hildegard-Medizin?

Der heute gebräuchliche Begriff Hildegard-Medizin ist ein moderner Sammelbegriff. Er bezeichnet verschiedene Ernährungsweisen, Rezepturen und Anwendungen, die sich auf Hildegard von Bingens natur- und heilkundliche Schriften sowie deren spätere Interpretation berufen.

Zu den wichtigsten historischen Quellen gehören insbesondere:

  • Physica – Hildegards naturkundliche Betrachtungen über Pflanzen, Bäume, Tiere, Steine und andere Bestandteile der Schöpfung
  • Causae et Curae – ein Werk über den Menschen, Gesundheit und Krankheit im medizinischen Weltbild des Mittelalters

Aus diesen Schriften entwickelte sich eine Tradition, die bis heute weiterlebt und immer wieder neu interpretiert wird.

Ernährung in der Hildegard-Tradition

Besonders bekannt ist Hildegard von Bingen heute für ihre Beschäftigung mit Lebensmitteln und Gewürzen.

Eine zentrale Rolle in der modernen Hildegard-Küche spielen beispielsweise:

  • Dinkel
  • Fenchel
  • Esskastanien
  • Galgant
  • Bertram
  • verschiedene Kräuter und traditionelle Gewürzmischungen

Vor allem der Dinkel ist heute kaum von der Hildegard-Küche zu trennen. Aus ihm entstehen Brote, Suppen, Teigwaren und das bekannte Dinkel Habermus nach Hildegard von Bingen.

Viele dieser Gerichte sind erstaunlich schlicht. Gerade das macht ihren Reiz aus: Getreide, Kräuter, Gewürze, Obst und andere traditionelle Zutaten werden zu einer unkomplizierten Küche verbunden.

Galgant, Bertram und andere Kräuter

Wer sich mit Hildegard von Bingen beschäftigt, begegnet schnell Gewürzen und Pflanzen, die heute in einer gewöhnlichen Küche eher selten verwendet werden.

Dazu gehören insbesondere Galgant und Bertram. Beide haben ihren festen Platz in der heutigen Hildegard-Tradition und werden zum Würzen verschiedener Speisen eingesetzt.

Daneben beschäftigte sich Hildegard mit einer großen Zahl von Pflanzen. In der Physica finden sich unter anderem Beschreibungen von Wermut, Fenchel, Ysop, Quendel und zahlreichen weiteren Kräutern.

Wer wissen möchte, welche Eigenschaften und Anwendungen diesen Pflanzen in den historischen Texten beziehungsweise in der späteren Hildegard-Literatur zugeschrieben werden, findet hierzu eine umfangreiche historische und moderne Fachliteratur.

Mehr als Kräuter und Dinkel: Hildegards ganzheitliches Menschenbild

Hildegards Vorstellung vom Menschen lässt sich nicht auf Ernährung reduzieren.

Körperliches Leben, seelische Verfassung, Maßhalten, Spiritualität und die Beziehung des Menschen zu seiner Umwelt gehören in ihren Schriften eng zusammen.

Gerade dieser ganzheitliche Blick dürfte ein Grund dafür sein, dass Hildegard von Bingen fast 900 Jahre nach ihrem Tod noch immer Menschen beschäftigt.

Viele Gedanken, die heute selbstverständlich klingen – etwa ein bewusster Umgang mit Ernährung, ausreichende Ruhe, Bewegung, Maßhalten und das persönliche seelische Gleichgewicht – finden sich in unterschiedlicher Form auch in der Hildegard-Tradition wieder.

Tugenden und Laster bei Hildegard von Bingen

Besonders ungewöhnlich aus heutiger Sicht ist Hildegards Beschäftigung mit Tugenden und Lastern.

Eigenschaften wie Geduld, Demut, Mäßigung oder Hoffnung stehen bei ihr Vorstellungen wie Zorn, Hochmut oder Maßlosigkeit gegenüber.

Für Hildegard waren solche Fragen nicht losgelöst vom Menschen zu betrachten. Körper, Seele, Lebensführung und Spiritualität bildeten in ihrem mittelalterlichen Weltbild eine Einheit.

Wer diesen spannenden Teil ihrer Lehre näher kennenlernen möchte, findet hier unseren ausführlichen Beitrag:

Tugenden und Laster bei Hildegard von Bingen

Fasten, Aderlass und Schröpfen

Zur späteren Hildegard-Tradition gehören auch Verfahren wie Fasten, Aderlass und Schröpfen.

Solche Methoden haben eine lange Geschichte und waren keineswegs ausschließlich bei Hildegard bekannt. Sie gehören in den größeren Zusammenhang der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Heilkunde.

Gerade hier ist eine historische Einordnung besonders wichtig. Aus einer jahrhundertealten Überlieferung folgt nicht automatisch eine Empfehlung für die heutige medizinische Anwendung. Insbesondere Aderlass und andere körperliche Verfahren gehören in fachkundige Hände.

Edelsteine in Hildegards Naturkunde

Auch Edelsteine nehmen in Hildegards Naturbetrachtung einen bemerkenswerten Platz ein.

In der Physica beschäftigt sie sich nicht nur mit Pflanzen und Lebensmitteln, sondern auch mit Steinen und anderen Bestandteilen der Natur. Edelsteinen wurden dabei im mittelalterlichen Weltbild besondere Eigenschaften zugeschrieben.

Heute ist dieser Teil vor allem kultur- und ideengeschichtlich interessant. Die historischen Vorstellungen über Edelsteine sollten nicht mit einer wissenschaftlich nachgewiesenen medizinischen Wirkung verwechselt werden.

Ist Hildegard von Bingen heute noch aktuell?

Fast 900 Jahre liegen zwischen Hildegards Lebenszeit und unserer Gegenwart. Natürlich können medizinische Vorstellungen aus dem 12. Jahrhundert nicht einfach wie ein modernes medizinisches Lehrbuch gelesen werden.

Das macht Hildegards Werke aber nicht uninteressant.

Im Gegenteil: Faszinierend ist gerade die Frage, wie Menschen damals über Ernährung, Natur, Lebensführung und Gesundheit nachdachten – und welche Rezepturen, Zutaten und Traditionen sich über Jahrhunderte erhalten haben.

Man muss dabei nicht jedes historische Konzept ungeprüft übernehmen. Genauso wenig muss man jahrhundertealtes Erfahrungswissen pauschal als bedeutungslos abtun.

Wer sich ernsthaft mit Hildegard von Bingen beschäftigen möchte, sollte deshalb vor allem eines tun: lesen.

Hildegard von Bingen selbst lesen

Zur Hildegard-Tradition existiert heute eine umfangreiche historische und moderne Fachliteratur.

Wer über einzelne Blogartikel hinausgehen möchte, kann insbesondere auf moderne wissenschaftliche Ausgaben der überlieferten Werke zurückgreifen.

Zu den wichtigsten natur- und heilkundlichen Texten zählen:

  • Hildegard von Bingen: Causae et Curae – Ursprung und Behandlung der Krankheiten
  • Hildegard von Bingen: Physica – Heilsame Schöpfung / Die natürliche Wirkkraft der Dinge

Daneben gibt es umfangreiche moderne Hildegard-Literatur, darunter die Arbeiten von Gottfried Hertzka, Wighard Strehlow und zahlreichen weiteren Autoren.

Dabei ist es interessant, zwischen den mittelalterlichen Quellen und ihrer modernen Interpretation zu unterscheiden. Gerade diese Unterschiede machen eine vertiefte Beschäftigung mit Hildegard von Bingen besonders spannend.

Häufige Fragen zur Hildegard von Bingen Medizin

Was ist Hildegard-Medizin?

Hildegard-Medizin ist heute ein Sammelbegriff für verschiedene Ernährungsweisen, Rezepturen und Anwendungen, die sich auf Hildegard von Bingens natur- und heilkundliche Schriften und deren spätere Interpretation beziehen.

Welche Lebensmittel gehören zur Hildegard-Ernährung?

Besonders bekannt sind Dinkel, Fenchel und Esskastanien sowie Gewürze wie Galgant und Bertram. Die moderne Hildegard-Küche umfasst darüber hinaus zahlreiche traditionelle Gerichte und Kräuterzubereitungen.

Welche Bücher von Hildegard beschäftigen sich mit Natur und Heilkunde?

Besonders wichtig sind Physica und Causae et Curae. Sie bilden einen wesentlichen Ausgangspunkt für die spätere Beschäftigung mit Hildegards Natur- und Heilkunde.

Ist Hildegard-Medizin wissenschaftlich anerkannt?

Die sogenannte Hildegard-Medizin ist kein einheitliches wissenschaftlich anerkanntes medizinisches Therapiesystem. Hildegards Texte stammen aus dem medizinischen und naturkundlichen Denken des Mittelalters.

Davon unabhängig können einzelne Pflanzen, Lebensmittel oder Inhaltsstoffe heute Gegenstand moderner wissenschaftlicher Forschung sein.

Kann man Hildegards Ernährung heute noch ausprobieren?

Viele traditionelle Gerichte der heutigen Hildegard-Küche sind ganz normale Lebensmittelzubereitungen. Dinkelgerichte, Habermus, Suppen sowie die Verwendung verschiedener Kräuter und Gewürze lassen sich unkompliziert kennenlernen.

Warum Hildegard von Bingen bis heute fasziniert

Hildegard von Bingen lässt sich nicht auf einen Dinkelbrei, ein Kraut oder eine einzelne Rezeptur reduzieren.

Sie hinterließ ein außergewöhnlich vielseitiges Werk über Religion, Musik, Natur, den Menschen und seine Stellung in der Welt.

Wer sich mit ihrer Natur- und Ernährungslehre beschäftigt, entdeckt eine fast 900 Jahre alte Gedankenwelt – manchmal überraschend vertraut, manchmal ausgesprochen fremd und gerade deshalb faszinierend.

Die beste Möglichkeit, Hildegard wirklich kennenzulernen, bleibt deshalb die Beschäftigung mit ihren Schriften und der umfangreichen historischen und modernen Fachliteratur.

Video: Hildegard von Bingen